Germany
January 11, 2008
Source:
bioSicherheit.de (GMO Safety)
Gentechnisch veränderte Bt-Pflanzen haben keinen negativen
Einfluss auf das Überleben von Honigbienen – zu diesem Ergebnis
kommt eine Gruppe US-amerikanischer Ökologen, die 25 voneinander
unabhängige Laborstudien nach einheitlichen Kriterien
auswertete. Die aktuelle Metastudie* bestätigt und erhöht die
Aussagekraft bisheriger Einzelstudien und wurde im Januar 2008
im multidisziplinären Online Journal
PloS ONE veröffentlicht.
Die Metastudie ist insbesondere vor dem Hintergrund eines
dramatischen Rückgangs der Bienenvölker in den USA interessant,
der im Frühjahr 2007 weltweit Besorgnis auslöste. Auch in Europa
wurde öffentlich über gentechnisch veränderten Bt-Mais als
Ursache spekuliert. Forschergruppen in verschiedenen Ländern,
die der Frage inzwischen nachgegangen sind, konnten bislang
jedoch keine signifikanten Auswirkungen von Bt-Pflanzen auf
Honigbienen nachweisen. Das Problem: Viele Untersuchungen haben
nur begrenzte Aussagekraft, da die Beobachtungszeiträume zu kurz
waren und zu wenig Wiederholungen durchgeführt wurden.
Um die Untersuchungen vergleichbar zu machen und die
statistische Aussagekraft der Einzelstudien zu erhöhen, hat Jian
Duan vom Ecological Technology Center des Agrarkonzerns Monsanto
zusammen mit Forschern der Santa Clara Universität in
Kalifornien, University of Maryland und der Michigan State
University die Ergebnisse nun nach einheitlichen Kriterien
ausgewertet. "Metastudien können Effekte aufdecken, die in den
Einzelstudien aufgrund zu geringer Wiederholungszahl nicht
entdeckt wurden", heißt es in der Veröffentlichung. Die
Metastudie stützt sich auf 25 Einzelstudien, die sich unter
Laborbedingungen mit den Auswirkungen von Bt-Proteinen oder
Bt-Pflanzenteilen auf die Überlebensrate beziehungsweise
Sterblichkeit von Honigbienenlarven oder erwachsenen Tieren
beschäftigt haben. Bt-Pflanzen enthalten Gene des
Bodenbakteriums Bacillus thuringiensis (Bt). Sie können damit
ein Protein bilden, das für bestimmte Fraßinsekten giftig ist.
Für die Metastudie wurden nur Untersuchungen zu Bt-Varianten
berücksichtigt, die spezifisch gegen Insekten aus der Gruppe der
Schmetterlinge (Lepidoptera, Cry1, Cry2, Cry9) und der Käfer
(Coleoptera, Cry3) wirken und die vor allem in Bt-Mais und
-Baumwolle zum Einsatz kommen. Da Bienen als Hautflügler
(Hymenoptera) nicht zu den Zielorganismen des Cry-Proteins
gehören, halten es die meisten Experten für unwahrscheinlich,
dass sie durch Bt-Pflanzen geschädigt werden. Das Ergebnis der
aktuellen Metastudie bestätigt diese Einschätzung und stimmt
auch mit früheren Untersuchungen überein: Ein statistisch
signifikanter Effekt auf die Überlebensrate von Honigbienen
konnte auch durch die Kombination aller Einzelergebnisse für
keines der untersuchten Cry-Proteine nachgewiesen werden.
Die US-amerikanische Metastudie beschränkt sich auf die
Auswertung von Laboruntersuchungen. Da die Konzentration des
Bt-Proteins, der die Bienen im Labor ausgesetzt werden,
üblicherweise mehr als zehnmal höher ist als im Freiland, sei
eine direkte toxische Wirkung des Bt-Proteins im Freiland
unwahrscheinlich, so die Autoren. Eine Notwendigkeit für
zusätzliche Freilandstudien könnte sich dann ergeben, wenn
Stressfaktoren wie Hitze oder Krankheiten, die Anfälligkeit der
Bienen gegenüber dem Bt-Toxin möglicherweise verändert.
*
A Meta-Analysis of Effects of Bt Crops on Honey Bees
(Hymenoptera: Apidae)
by Jian J. Duan, Michelle Marvier, Joseph Huesing, Galen
Dively, Zachary Y. Huang
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